21 Gramm | The movie-goofs
Dez 2013 11

21 Grams, USA, 2003

Wie viel wiegt die Seele eines Menschen?

Ein Autounfall verbindet drei Menschen miteinander. Doch ihre Motive sind unterschiedlich: Schmerz, Schuld und die Suche nach Antworten.

Es gibt Filme die kann man zum Mittagessen anschauen und schon zum Kochen reinlegen. Danach noch Staubsaugen und Aufräumen; Man verpasst nichts. Es gibt Filme die benötigen die volle Aufmerksamkeit, da kann eine Toilettenpause schon fatal sein. Und es gibt die Filme von Alejandro González Iñárritu, dem Meister des Episodenfilms, bei dem jedes Augenblinzeln zum Verlust des Fadens führen kann. „Amores perros“ und „Babel“ hatte ich mir bereits vor einigen Jahren angeschaut, beide Filme hatten mich tief verwirrt zurück gelassen. Doch „21 Gramm“ sollte dem Ganzen noch die Krone aufsetzen.

Als ein Freund mir im Frühjahr die DVD in die Hand drückte meinte er „Schau ihn dir nicht an, wenn du gerade einen schlechten Tag hattest, der Film macht depressiv“. Nun hatte er aber vergessen, dass er mit einem jungen Mann redet, der gerade von seiner Freundin verlassen wurde und beruflich in einer Sackgasse steckt. Selber schuld, dass ich aus Angst vor dem Film, die DVD ein halbes Jahr rumliegenlassen habe. Aber ich hätte ihn mir sofort anschauen sollen, denn so habe ich ein großartiges Werk rumliegen gehabt, während ich mich unter unsäglichen Qualen durch die originale Superman-Saga gekämpft habe, oder mir Müll wie „The Quick and the Undead“ geben musste.

Naomi Watts ist glücklich verheirat, Benicio Del Toro hat Gott gefunden und Sean Penn ein neues Herz bekommen. Mehr kann man kaum über die Handlung des Films verraten, ohne die ersten Spoiler von sich zu geben. Alle drei spielen so intensiv, dass man mit ihnen leidet, lacht und empfindet. Ähnlich die in „Amores perros“ oder „Babel“ werden mehrere Handlungsstränge parallel gezeigt und irgendwann verknüpft. Doch „21 Gramm“ treibt es noch eine Spur weiter: Als wären die Sprünge im Raum nicht genug, ist der Film auch noch völlig unlinear erzählt, man beginnt also mit einer Szene vom Ende, springt zum Beginn, dann wieder nach Hinten, in die Mitte und zurück. Diese Erzählweise fordert dem Zuschauer zwar einiges ab, doch bedankt er sich dadurch, dass er völlig in die Geschichte gesogen wird. Wer hier nah am Wasser gebaut ist, könnte tatsächlich absaufen.

Es heißt, man verliert in der Sekunde seines Todes 21 Gramm Körpergewicht. Das Gewicht der Seele? Die Frage bleibt methaphorisch, Iñárritu nutzt gern Titel dieser Art. Ich habe mehr Gewicht verloren, denn ich habe garantiert einige Gramm Fett weggezittert. Und deshalb kann ich die ohnehin gute 7.7 der IMDB guten Gewissens aufrunden. Kein Film den man ständig sehen kann, aber ein Film der hängenbleibt.

null

Einen Kommentar schreiben

*
  • Filmempfehlungen des Monats:
    • Django Unchained
    • Vergiss mein nicht
    • Fargo
    • Der Frühstücksclub
    • Sherlock Junior
  • Zuletzt gesehen:
    • Elysium (1.)
    • Everybody’s fine (1.)
    • Die Brücken am Fluss (1.)
    • Black Hawk Down (1.)
    • Winter’s Bone (1.)
    • Stay (1.)
    • Now you see me (1.)
    • Same Same but Different (1.)