Rated RH | The movie-goofs
Jul 2014 08

Hatari, USA, 1962

Ab in die Steppe der Kinokunst.

Hatari! Mit Ausrufezeichen, als müsse man diesen Titel schreien. Selbst der gute alte John Wayne ist rufend auf dem Plakat zu sehen. Hatari, das ist Suaheli für “Belanglos!”. Zweieinhalb Stunden sitzt man in einer erzählerischen Wüste fest und begleitet ein paar Männer die in Afrika einen Tierhandel betreiben. Sie glorifizieren das Leben des Wilderers, sperren Büffel in Holzkisten, sie sogar zu eng wären, wenn man den Büffel vorher häxelt. Sie fällen ganze Bäume, nur um Affen zu fangen und saufen sich abends die Hucke zu, als wäre ihre Existenz nicht anders zu ertragen. Wayne ist mal wieder an forderster Front. Eine junge Frau reist an, natürlich keine Ahnung von Afrika: Noch nie eine Waffe gehalten, sie trägt ein Kleid, blablabla, Frauen-Klischee-Zufallsgenerator angeworfen, fertig ist die Nebenhandlung von Hatari. Auch typisch: Sie wirft sich natürlich an das einzige Arschloch in der weiten Wüste. In einem Anfall von Hollywood-Logik verliebt sich die junge Dame in den ältesten Mann in der Truppe. Nicht, dass der Rest passender für sie wäre. Es wimmelt dort auch sonst nur so von hormongeladenen Stelzböcken. Der tagtägliche testosterongeladene Jagtsport führt zu abentlichem Samenstau, wenn auf sechs Männer zwei Frauen kommen. Doch auch hier schlägt das Drehbuch ungeahnte Bahnen, wenn sich drei Männer auf die eine Frau konzentrieren und die andere voll und ganz in John Waynes Hand ist. Red Buttons fällt hier eine besondere Rolle zu, denn der etwa 40jährige agiert dreifach: Als Running-Gag sorgt er für die Lacher, alle so Flach, dass selbst Fips Asmussen sie nicht aufschreiben würde. Nebenberuflich scheint er Brigitte-Kolumnist zu sein und weiß über alle bescheid; wessen Hand gern in wessen Hose will. Doch am stärksten wird er, wenn er John Wayne persönlich am Handspiel hindert und stets dazwischenfunkt, wenn er mal mit seiner Dame allein ist.

“No Animal was harmed during the making of this movie” Dieser Satz wurde erst viele Jahre später bei Filmen verwendet und wäre hier in etwa so passend gewesen wie Stöckelschuhe bei der Nashornjagt. Diese nimmt im Film übrigens rund zwanzig Minuten ein und beweist sich als zelluloidgebannte Tierquälerei.

Nachdem man sich reichlich zwei Stunden durch die Steppe der Erwartungen gequält hat, wird die Liebesgeschichte in den zweiten Akt geschickt. Ohne sinnvollen Grund kommt es zum Streit. Die Versöhnung, der Klischee-Generator spuckt hierzu eine Szene doppelt aus, kommt schneller als ein vierzehnjähriger beim ersten Mal und bevor man sich versieht steht da schon “The End”.

IMDB sagt 7,3, ich kann mich mit Ach und Krach zu einer 3 durchringen. Zwei überlappende Storys, die so gut zusammenpassen wie Senf und Nutellabrot und Dialoge die so sinnlos daherkommen, dass man den Leuten ständig nur “You don’t say?!” zurufen möchte: Nashorn rammt das Auto “Es rammt das Auto!” Sorry John, nichts für mich.

Prädikat “Belanglos”

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Feb 2014 07

Jagten, DK, 2012

Ein Meisterwerk über die Hysterie der Masse.

Thomas Vinterberg gilt neben Lars von Trier (Antichrist) und Anders Thomas Jensen (Adams Äpfel) als der Inbegriff des Dänischen Kinos. Als Mitbegründer der Dogma 95 drehte er 1998 “Das Fest”. Ein Film der optisch als Amateurfilm durchgehen konnte, aber mit einer so starken Geschichte aufwartete, dass er noch heute als großartiges Stück Kinokunst gilt. Danach wurde es, zumindest an den Kinokassen, eher ruhig um Vinterberg. Doch 2012 hat er seinen zweifellos besten Film abgeliefert. Ein Film der dieses Jahr den Oscar nach Dänemark holen sollte. Es wäre der 4. Auslands-Oscar für die Dänen (nach 1988, 1989 und 2011).

Lucas (Mads Mikkelsen) arbeitet in einem Kindergarten, die Kinder lieben ihn abgöttig und er liebt sie. Sein Sohn wird bald zu ihm ziehen, er beginnt eine Beziehung mit einer netten jungen Frau; Es scheint gut zu laufen in seinem Leben. Doch eine kleine Lüge, bringt dieses Leben völlig durcheinander: Das Mädchen, die Tochter von Lucas’ bestem Freund, kombiniert eine Enttäuschung mit einer unbedachten Handlung ihres Bruders und plötzlich wird Lucas der Pädophilie beschuldigt. Selbst als die kleine Klara alles zurück nimmt, bleiben die Beschuldigungen als mutmaßliche Fakten bestehen und Lucas’ Leben verwandelt sich in eine Hölle.

Wohl kein Film hat bei mir dermaßen Unwohlsein ausgelöst wie die Jagd, denn in meinen Augen gibt es kein schlimmeres Einzelverbrechen als den Kindesmissbrauch. Der Zuschauer bekommt zu keiner Minute auch nur die geringsten Zweifel an Lucas’ Unschuld und so steht man hier zwischen den Fronten: Einerseits sieht man das grobe Unrecht, dass ihm widerfährt; Den Hass, der in Brutalität und Psychoterror gipfelt. Andererseits versteht man auch die Positionen der Eltern, die das Unvorstellbare greifbar machen möchten und nicht verstehen können. Der Film lässt auch diesen Menschen genug Raum, sodass es unmöglich ist, sich voll und ganz auf eine Seite zu schlagen. Dieses Zerreißspiel, welches hier mit dem Zuschauer getrieben wird, löst so starkes Unbehagen aus, dass es über weite Strecken fast unerträglich wird. Vor allem für Zuschauer, die völlig in Filmen aufzugehen vermögen, wird dieser Film für einen hohen Puls sorgen. Die Tatsache, dass es sich hierbei nicht um Mainstreamkino handelt, lässt einen von vorn herein auch noch damit rechnen, dass Lucas den Film nicht überleben wird; was es noch viel grausamer macht. Aber zum Glück ist das kein Deutscher Film.

Wunderschön gefilmt zeigt der Film Bilder, die einem Meisterwerk würdig sind und mit der Musik und der durchweg großartigen Darstellerriege wird das noch einmal unterstrichen. Wie bereits bei Iñárritus “21 Gramm” lässt der Film den Zuschauer so zerstört zurück, dass man für sehr lange Zeit darüber nachdenken wird, jedoch nicht in der Lage ist, diesen Film so schnell wieder zu sehen. Doch eins ist klar: Der Film bekommt einen Ehrenplatz im Regal und wird mir noch einige Male Bauchschmerzen bereiten dürfen.

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Jan 2014 26

Elysium, USA, 2013

Gesellschaftskritik und Raumschiffe, kein Elysium für Kinogänger

Wir schreiben das Jahr 2154. Es ist das Jahr der Invasion auf Pandora und des damit verbundenen Völkermords an den Na’vi. Zeitgleich befindet sich die Erde in einem miserablen Zustand: Die Menschen hungern, die Gewalt greift um sich und die Reichen regieren noch immer: Jetzt sogar noch dekadenter als je zuvor: Von einer gigantischen Raumstation aus, denn sie haben die Erde verlassen. Für viele kranke Menschen ist diese Raumstation die einzige Hoffnung auf Leben, gibt es dort doch Maschinen die in Sekundenschnelle jegliche Krankheiten heilen können.

Die Ausgangssituation war großartig: Neill Blomkamp wurde für sein Alien-Flüchtlingsdrama „District 9“ in aller Welt gefeiert. Ja, ein Drama sage ich, denn für mich war dieser Film in keinster Weise Unterhaltung im klassischen Sinne. Die Parallelen zu den afrikanischen Flüchtlingslagern und dem Verhalten der Menschen gegeneinander waren zu stark gezeichnet, als dass ich mich an der Alien-Action hätte erfreuen können. Aber zurück zur Ausgangssituation: Der südafrikanische Regisseur bekam ein gigantisches Budget für seinen nächsten Film und engagierte mit Matt Damon und Jodie Foster zwei großartige Schauspieler, besetzte noch weitere Rollen u.a. mit Diego Luna, dem wunderbaren William Fichtner und seinem Kumpel Sharlto Copley. Doch was am Ende rauskam ist leider nicht ganz das großartige Werk was man von jemandem erwarten würde, der bislang unabhängig von den großen Studios gearbeitet hat.

Der Film macht vor allem in der sozialen Frage einiges falsch: Die reichsten 1% haben die Erde verlassen und doch scheinen alle Menschen von ihnen abhängig zu sein. Es herrschen Gewalt, Hunger und Leid. Die Frage die sich hier stellt ist, ob die Roboter-Polizei jegliche Vernunft unterdrückt, oder ob uns der Film suggerieren will, dass wir ohne die Reichen nicht überleben können. Außerdem fragt man sich, warum der Fortschritt, der auf Elysium existiert nicht zum Wohl der Menschen genutzt werden kann. Hinter den Heilungsmachinen scheinen keine großen Kosten zu stecken, wieso also aufwändig Krankenhäuser mit vielen Bediensteten betreiben? Warum die offensichtlich naturfreundliche Technik nicht auf der Erde nutzen um diese wieder bewohnbar zu machen? Vermutlich bin ich einfach zu sehr Gutmensch, um auf diese Fragen keine Antworten zu finden. Doch wenn wir diese Fragen wegnehmen bleibt immer noch ein großes Loch in der Handlung: Einem Mann wird beinahe der komplette Kopf weggesprengt und die Maschine ist in der Lage, ihn noch mindestens eine Stunde nach seinem Tod wiederherzustellen; doch eine andere Person wird erstochen und ist unwiederbringlich Tot. Wieso? An dieser Stelle bleibt wirklich nur „weil es für die Story wichtig ist“ als Antwort und das ist schlecht.

Schaut man über diese, zugegebener Maßen schwerwiegenden, Probleme hinweg, kann man sich durchaus unterhalten fühlen, auch wenn sich hier jeder unter Wert verkauft.

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Jan 2014 19

Die Legende von Paul und Paula, DDR, 1973

Typisch Deutscher Film der Siebziger. Das ist kein Kompliment.

Da macht der Film gleich richtig Spaß: Die Legende von Paul und Paula beginnt mit dem Puhdys Klassiker „Wenn ein Mensch lebt“. Die Rolling Stones des Ostens, wie sie gern genannt werden, steuerten einige ihrer besten Songs zum Soundtrack bei und wurden danach zu Stars. Doch leider bilden die Herren das Beste am ganzen Film.

Die Geschichte erzählt von Paul, der unglücklich verheiratet ist und von Paula, die ihren Mann beim Fremdgehen erwischt und rausgeworfen hat. Paul und Paula treffen sich auf einer Party, fangen eine Affäre an, doch sie binden sich nicht, denn Paul hat Angst mit einer Scheidung seine Karriere zu zerstören und seinem Sohn zu schaden. Sie wohnt in einem heruntergekommenen Altbau, er wohnt gegenüber in der neuen Platte. Die Häuser reflektieren die Gesellschaft, denn ihre Wohnumgebung ist eine reine Baustelle und die Extreme stehen sich direkt gegenüber. Erst als Paul den Mut aufbringt seine scheinbar bessere Welt zu verlassen, wird er glücklich. Das Thema war grenzwertig für die DDR-Regierung, erst Erich Honecker persönlich gab dem Film die Freigabe. Nachdem die beiden Hauptdarsteller 1980, bzw. 1982 in die Bundesrepublik gegangen waren, wurde der Film aus der Öffentlichkeit verbannt.

Nun habe ich ihn also auch gesehen: Den ultimativen DDR-Kultfilm, den Lieblingsfilm unserer Kanzlerin. Dass es ihr liebstes Stück Kinogeschichte ist habe ich im September in der Bild gelesen. Natürlich frage ich mich noch heute warum ich die Bild gelesen habe. Normal würde ich doch auch keine Scheiße in die Hand nehmen und nur weil man meinen Briefkasten damit zugestopft hat mache ich eine Ausnahme? Aber gut, ich war neu in meiner Wohnung, hatte noch keinen Computer dort, im Radio liefen nur die drei Kanäle die alle und immer das gleiche spielen und die Pizzeria-Karten waren auch schnell gelesen.

Aber zurück zum Thema: Die Legende von Paul und Paula ist ein typisch deutscher Film der Siebziger. Leider ist das aus meinem Mund kein Kompliment, denn bislang habe ich noch keinen deutschen Film aus dem Jahrzehnt entdeckt, der mir gefallen hätte. Vor allem der beinahe überzogene Wunsch, die Realität abzubilden und damit den Zuschauer vor den Kopf zu stoßen, ihm regelrecht ins Gesicht zu spucken, widert mich an. Wenn ich ins Kino gehe, dann möchte ich der Realität entkommen, nicht von ihr angekotzt werden. (ACHTUNG SPOILER!) Wenn man dort also in der letzten Minute durch einen Sprecher, der vorher überhaupt nicht vorkam, ankündigt, dass die Hauptperson kurz darauf gestorben ist, dann rollen sich mir die Fußnägel bis zum Knöchel hoch. Heute würde kein Studio ein solches Ende abnicken, jeder Nachwuchsregisseur bekäme die Fresse voll, weil das schlechtes Erzählen ist. Doch in der pseudo-anspruchsvollen Phase der Siebziger gehörte es zum guten Ton Happy Ends zu vermeiden. Paul und Paula hätte auf keinem Fall im Kitsch enden können. Und hätte man sich noch so viel Mühe gegeben, es wäre nicht möglich gewesen. Der Film lässt am Ende folgende Moral stehen: Packt euer Leben an, rennt nicht vor eurem Glück weg, denn es währt nicht lange. Doch die genaue Dauer hätte man unbeantwortet lassen können…

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Jan 2014 13

The Secret Life of Walter Mitty, USA, 2013

Im Leben geht es um Mut und den Aufbruch ins Unbekannte

Es ist lange her, dass ich im Kino das letzte Mal geweint habe. Okay, richtig geweint habe ich noch nie (im Kino), doch Gary Oldmans epische Rede am Ende von „The Dark Knight“ drückte mir eine Freudentränen aus dem Kopf. Dasselbe erreichte Walter Mitty gestern; und zwar gleich doppelt. Das erste Mal weinte ich an der Kasse, als ich sah dass die Preise für einen normalen 2D Film ohne Überlänge bereits bei 9,30€ liegen. Doch Walter Mitty ist jeden Cent wert gewesen und so konnte ich getrost die letzten Minuten des Films mit mir selbst kämpfen, damit mein Freund, der neben mir saß nicht mitkriegt was für eine Pussy ich bin. Dass mich ein Ben Stiller Films jemals zu Tränen rühren würde, das hätte ich nie in meinem Leben geglaubt. Höchstens Tränen im Lachkrampf.

Walter Mitty (Ben Stiller) ist ein langweiliger Mensch, der in der Fotoabteilung des Life-Magazines arbeitet. Er hat sich in seine neue Kollegin Cheryl (Kristen Wiig) verliebt und träumt den ganzen Tag so vor sich hin. Meistens tritt er in diesen Phantasien als Abenteurer auf, so wie Jene, die er auf den Fotos sieht, wenn er sie in seinem dunklen Kämmerchen entwickelt. Als der berühmte Fotograph Sean O’Connell (Sean Penn) das Foto für das letzte Cover des Life-Magazins schickt fehlt das entsprechende Negativ in der Rolle. Inspiriert durch Cheryl wagt er den Schritt ins Ungewisse und begibt sich auf eine Reise, die ihn nach Grönland, Island und Afghanistan führt. Unterwegs findet er das Negativ nicht, doch er findet sich selbst.

Ben Stiller zeigt mit diesem Film, was für ein großartiger Schauspieler er wirklich ist. Den liebenswerten Looser bringt er hier zur Perfektion und entwickelt ihn zu einem Mann, der sich ins Unbekannte stürzt; ein Mann der aufhört zu träumen und keine Furcht mehr hat. Eine Freundin meinte einmal, es gibt zwei Typen Mensch: Die die schon in Island waren und die die noch hinwollen. Hätte ich ihr nicht bereits damals zugestimmt, dann hätte ich es spätestens jetzt. Diese Insel kombiniert wie kaum eine andere Gegend dieses wundervollen Planeten eine Kombination aus Wildnis, Schönheit und Freiheit. Und Stuart Dryburgh fängt diese Schönheit mit einer wunderbaren Kameraführung ein. Selbst Afghanistan, bei dessen Namen man leider meist an Terroristen und Krieg denkt, scheint plötzlich das Traumziel für den nächsten Wanderurlaub zu sein. Ben Stiller fährt auf einem Longboard eine kurvige Straße in Island hinunter und mir gehen Augen und Herz auf, das Knie wippt. Musikalisch macht dieser Film sowieso alles richtig. Ein Großteil des Soundtracks stammt aus der Feder von José González und seiner großartigen Band „Junip“. Melancholische Musik, die Hoffnung und Freude ausstrahlt. Und wenn Kristen Wiig David Bowie zitiert, ist bei mir sowieso alles verloren. You had me at ‚Groundcontrol to Major Tom‘!

Vor allem Zuschauer, die das Gefühl haben, dass sie feststecken, dass sie ihr Leben nicht in vollen Zügen ausleben, für diese wird der Film ein inneres Wunschdenken wecken. Mich packt das Fernweh und der Wunsch, einfach aus dem aktuellen Leben auszubrechen. Ein wundersames Gefühl, denn es bereitet mir Bauchschmerzen, es weckt Ängste und macht mich gleichzeitig Glücklich.

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Jan 2014 11

Das neue Jahr ist angebrochen und der kalte Monat lädt zum kräftigen Filmeschauen ein. Wie wär’s mit mehr Filme schauen als Vorsatz für 2014? Legen wir gleich los!

1. Dajango Unchained (2012)

Christoph Waltz hilft Jamie Foxx seine Frau aus den Fängen des skrupellosen Sklavenhalters Leonardo DiCaprio zu befreien. Jetzt ist es schon ein Jahr her, seit Tarantino’s Ode an den Italo-Western in die deutschen Kinos kam. Grund genug dieses Western-Meisterwerk mal wieder anzuschauen und sich zu fragen, wie man DiCaprio schon wieder bei den Oscars übergehen konnte.

2. Vergiss mein nicht (2004)

Jim Carrey ist am Boden zerstört: Während er vor Liebeskummer zerbricht, scheint seine Ex-Freundin Kate Winslet ihn nicht mal mehr zu erkennen. Schockiert muss er feststellen, dass sie ihn hat aus ihrem Gedächtnis löschen lassen. Er entschließt sich, das gleiche zu tun und stellt während des Löschungsprozesses fest, dass man bestimmte Erinnerungen nicht löschen sollte. Doch leider liegt er im Tiefschlaf und kann den Prozess nicht stoppen. Einfach nur großartig. Lustig, Romantisch, ohne Kitsch, einfach großartig!

3. Fargo (1996)

Eine hochschwangere Polizistin versucht in der eingeschneiten Provinz einen Mord aufzuklären. Ein typischer Coen-Brüder-Film: Blutig, Lustig, mit einer klugen Story versehen. Dieser Film gehört definitiv zu meinen absoluten Lieblingen und darf an keinen Coen-Filmabend fehlen! Und jetzt macht gefälligst einen Coen-Abend.

4. Der Frühstücksclub (1985)

Ein paar Jugendliche haben sich in der Schule versammelt um nachzusitzen. Doch anstatt ihren Aufsatz zu schreiben quatschen sie und richten Unheil an. Im Laufe des Tages kommen die fünf aufeinander zu, freunden sich an und therapieren sich gegenseitig. Kein Regisseur verstand es besser die Probleme, Wünsche und Ängste von Jugendlichen der 80er auf die Leinwand zu bringen als John Hughes. The Breakfastclub ist eins seiner Meisterstücke.

5. Sherlock Junior (1924)

Buster Keaton träumt davon ein berühmter Detektiv zu sein und die Entführung seiner Geliebten aufzuklären. Sherlock jr. ist wahrscheinlich Buster Keatons bester Film: Lustig, Actionreich bis zum Abwinken (Buster brach sich bei einem der Stunts das Genick und merkte es erst Jahre später) und voller, für damalige Zeiten, unglaublicher Effekte. Ein wahrer Klassiker!

Jan 2014 11

Superbad, USA, 2007

Warum einer der lustigsten Filme der 2000er mich in die Depression treibt.

Die glorreichen letzten Wochen der Highschool sind angebrochen und Seth (Jonah Hill) und Evan (Michael Cera) sind frustriert: Nach dem Sommer werden die beiden unzertrennlichen Freunde an verschiedenen Unis studieren und was noch viel schlimmer ist: Ihre sexuelle Erfahrung beschränkte sich bislang auf Handspiel vor der Mattscheibe. Doch das soll sich auf der Party von Jules ändern! Ihre Angebeteten sind dort und sie selbst sind die Alkohollieferanten für die Nacht. Möglich macht das ihr Freund Fogell, der einen gefälschten Ausweis besitzt: McLovin ist 25 und kommt aus Hawaii. Idiotensicher. Zum Glück trifft er dann auch auf idiotische Polizisten.

Der Film liefert einen Kalauer nach dem anderen, vor allem für Fans von Fäkal- und Genitalsprache bietet der Film eine wahre Inspirationsquelle. Doch stecken ernste Probleme hinter dem Wahnsinn dieser Nacht: Zukunftsängste und Jugendliebe. Die beiden Freunde wollen um jeden Preis ihre Liebsten flach legen und fürchten sich zugleich vor der Zukunft ohne ihren besten Freund. Das bietet viel Angriffsfläche für Streit und Sorgen. Das führt es auch zu einem ziemlich melancholischen Ende, welches kaum in den Film passen mag. Letztendlich hat der Film seine längste gagfreie Durststrecke am Ende.

Und ich bleibe traurig zurück. Warum? Es ist die Party, die mich an vermisste Chancen erinnert, an Liebeskummer in Jugendjahren und an Spaß, der nie wieder zurückkommen wird. Klar der Liebeskummer kann gern in den vergangenen Jahren bleiben, sowas braucht man so dringend wie Transformers 4, oder Durchfall im Fahrstuhl, bei Stromausfall. Doch Partys wie es sie in diesem Film gibt, existieren doch gar nicht. In der Realität kommt nur die Hälfte aller Facebook-Zusagen (plus ein paar Leute die keiner kennt, die aber scheinbar alle Anwesenden kennen) Die Polizei löst die ganze Sache natürlich halb 11 auf. Wenn im Sommer der erste Stern am Himmel funkelt, liegen die ersten Gäste schon kotzend unter dem Küchentisch und der Gastgeber weint noch immer, dass niemand seine Schuhe ausgezogen hat. Und ich? Angetrunken dazwischen, selbst jetzt noch zu schüchtern das hübsche Mädchen anzusprechen, weil sie mit den populären Leuten zusammensteht. Ich spreche mit anderen Leuten, die nach 10 Minuten zum rauchen gehen und nie wieder zu sehen sind. Ich quatsche Mädels an und lösche sie komplett aus meinem Gedächtnis. Merke mir nur eine hübsche Stimme und dunkelrote Haare. Ich mache meiner Ex Komplimente, die sie mit einer Beleidigung erwidert. „Ach, ich weiß warum ich Schluss gemacht hab!“ rufe ich ihr zu und trinke australischen Wein, der am nächsten Morgen einen alternativen Ausgang wählt. Dann wacht man auf, stinkt nach Rauch und Bier, die Haare kleben, die Brille ist verschmiert, als hätte man sie in eine Fritteuse gesteckt und auf dem Handy findet man drei neue Nummern, „Jule“, „Julia“ und „Jule2“. Manchmal auch Anne, Anna und Hans. Natürlich kann man den verschwommenen Bildern im Schädel keinen Namen zuordnen. Memory in seiner Urform: Namen und Bilder, man dreht die Kärtchen um und nichts ergibt Sinn.

Superbad und andere Partyfilme zeigen die Geschehnisse aus einem schönen Winkel. Da landen auch die mittelmäßigen Jungs mit bildhübschen Mädels im Bett. Ich habe Flirts schon mit wesentlich besseren Sprüchen verkackt. Doch genau das ist auch die Aussage des Films: Du hast nichts zu verlieren. Im schlimmsten Fall bekommst du einen bösen Blick. Und wenn der Drehbauchautor der Meinung ist, dass jemand wie Jonah Hill bei einer bildhübschen Frau wie Emma Stone landen kann, dann sollte ich das doch auch können. Auch wenn ich kein so guter Schauspieler bin.

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Dez 2013 18

Home Alone, USA, 1990, Home Alone 2, USA, 1992

Die Lieblingsfilme der Kindheit; als Erwachsener geschaut.

Kevin allein zu Haus ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der ein Haus in eine Todesfalle verwandelt und damit zwei überaus dämliche Einbrecher verstümmelt und fürs Leben entstellt. Ja, dieser Junge lässt es wie Selbstverteidigung aussehen, er nutzt Spielzeug und Leim, Hitzestäbe und Benzin. So wird aus einem friedlichen Vorstadthaus der ultimative Einbrecher-Holocaust. Die beiden Vollidioten, die selbsternannten „feuchten Banditen“ (sexuelle Anspielungen nicht beabsichtigt) laufen blind in jede Falle. Wer schaut schon zum Boden, wenn er einen Raum betritt? Wer denkt schon darüber nach, wenn die Türklinke glüht und dampft? Nicht die feuchten Banditen! Und so wird es feucht-fröhlich im Hause McCallister. Aber auch brüchig-blutig.

Diese perfide Idee kann nur aus dem Hirn eines Wahnsinnigen stammen! John Hughs, heißt dieser Mann, einer der größten Komödienspezialisten der 80er, bekannt für „Ferris macht blau“, „Der Frühstückclub“ und meinen Allzeit-immerzu-absolut-Liebling (das Wort sollte in den Duden) „Ein Ticket für Zwei“

„Kevin allein zu Haus“ und seine Fortsetzung „Kevin allein in New York“ (eher ein Remake, denn wirklich neue Ideen bringt der Film nicht mit sich) gehören zu den Klassikern der frühen 90er. So gut wie jedes Kind kennt Macaulay Culkin, der 1994 eine Auszeit nahm und den danach niemand mehr sehen wollte. Die Filme sind Kult, doch nun, da ich Erwachsen bin, nicht mehr halb so lustig wie vor 15 Jahren. Die kindliche Naivität behütete mich davor, über die brutalen Konsequenzen nachzudenken und blendete die vielen melancholischen Momente aus. So geht die Botschaft des Films völlig an den Kindern vorbei: Seit lieb zu euren Eltern und Geschwistern, streitet euch nicht, sonst wird eure komplette Familie euch vergessen und ihr werdet euch gegen brutale Räuber verteidigen müssen, indem ihr euer Haus in ein Labyrinth des Todes verwandelt. Ich kann es kaum erwarten, wenn mein Neffe in das Alter kommt, in dem er diesen Film sehen darf.

Frohe Weihnachten euch allen!

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Dez 2013 11

21 Grams, USA, 2003

Wie viel wiegt die Seele eines Menschen?

Ein Autounfall verbindet drei Menschen miteinander. Doch ihre Motive sind unterschiedlich: Schmerz, Schuld und die Suche nach Antworten.

Es gibt Filme die kann man zum Mittagessen anschauen und schon zum Kochen reinlegen. Danach noch Staubsaugen und Aufräumen; Man verpasst nichts. Es gibt Filme die benötigen die volle Aufmerksamkeit, da kann eine Toilettenpause schon fatal sein. Und es gibt die Filme von Alejandro González Iñárritu, dem Meister des Episodenfilms, bei dem jedes Augenblinzeln zum Verlust des Fadens führen kann. „Amores perros“ und „Babel“ hatte ich mir bereits vor einigen Jahren angeschaut, beide Filme hatten mich tief verwirrt zurück gelassen. Doch „21 Gramm“ sollte dem Ganzen noch die Krone aufsetzen.

Als ein Freund mir im Frühjahr die DVD in die Hand drückte meinte er „Schau ihn dir nicht an, wenn du gerade einen schlechten Tag hattest, der Film macht depressiv“. Nun hatte er aber vergessen, dass er mit einem jungen Mann redet, der gerade von seiner Freundin verlassen wurde und beruflich in einer Sackgasse steckt. Selber schuld, dass ich aus Angst vor dem Film, die DVD ein halbes Jahr rumliegenlassen habe. Aber ich hätte ihn mir sofort anschauen sollen, denn so habe ich ein großartiges Werk rumliegen gehabt, während ich mich unter unsäglichen Qualen durch die originale Superman-Saga gekämpft habe, oder mir Müll wie „The Quick and the Undead“ geben musste.

Naomi Watts ist glücklich verheirat, Benicio Del Toro hat Gott gefunden und Sean Penn ein neues Herz bekommen. Mehr kann man kaum über die Handlung des Films verraten, ohne die ersten Spoiler von sich zu geben. Alle drei spielen so intensiv, dass man mit ihnen leidet, lacht und empfindet. Ähnlich die in „Amores perros“ oder „Babel“ werden mehrere Handlungsstränge parallel gezeigt und irgendwann verknüpft. Doch „21 Gramm“ treibt es noch eine Spur weiter: Als wären die Sprünge im Raum nicht genug, ist der Film auch noch völlig unlinear erzählt, man beginnt also mit einer Szene vom Ende, springt zum Beginn, dann wieder nach Hinten, in die Mitte und zurück. Diese Erzählweise fordert dem Zuschauer zwar einiges ab, doch bedankt er sich dadurch, dass er völlig in die Geschichte gesogen wird. Wer hier nah am Wasser gebaut ist, könnte tatsächlich absaufen.

Es heißt, man verliert in der Sekunde seines Todes 21 Gramm Körpergewicht. Das Gewicht der Seele? Die Frage bleibt methaphorisch, Iñárritu nutzt gern Titel dieser Art. Ich habe mehr Gewicht verloren, denn ich habe garantiert einige Gramm Fett weggezittert. Und deshalb kann ich die ohnehin gute 7.7 der IMDB guten Gewissens aufrunden. Kein Film den man ständig sehen kann, aber ein Film der hängenbleibt.

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Dez 2013 04

Zwei Weihnachtsmänner, D, 2008

Mit Poolnudel und Aktenkoffer durch die Tschechei

Die Weihnachtszeit ist angebrochen; Für mich als Erzgebirgler ist das eine ganz besondere Zeit. Hier im Weihnachtsland werden wir alle so bekloppt wie ein Kölner am 11.11. Nur mit anderem Dialekt. Auch verzichten wir auf schlechte Büttenreden auf dem Weihnachtsmarkt. Doch es duftet nach Räucherkerzchen, wir ernähren uns einen Monat nur von Weihnachtsgebäck und Gänsebrust und stellen die Wohnung mit geschnitzten Holzfigürchen zu. Für mich bedeutet dies natürlich auch, dass ich weihnachtliche Filme anschaue. Und so habe ich nun endlich mal eine Fernsehaufnahme angeschaut, die seit mehreren Jahren auf meiner Festplatte vergammelte.

Tilmann Dilling, ein Unternehmensberater und Hilmar Kess, ein Vertreter für Badezubehör, wollen für das Weihnachtsfest von Wien nach Berlin; zu den Familien. Das ungleiche Paar trifft bereits am Flughafenschalter aufeinander und es wird klar: Die Harmonie ähnlich schlecht wie jene zwischen Adam Sandler und intelligentem Humor. Wegen eines Schneesturms wird der Flug in die Slowakei umgeleitet. Frustriert nimmt man den Zug, landet in der tschechischen Pampa, steigt mit Drogendealern und Zuhältern ins Auto und Sprengt Skihütten in die Luft: Nur um endlich nach Hause zu kommen.

Allein die Idee, ein Quasi-Remake von „Ein Ticket für Zwei“ drehen zu wollen grenzt an Blasphemie. Und das sage ich, der alte Atheist! Es handelt sich um eine der besten Komödien der Filmgeschichte. Und jetzt ein Remake? Auch noch als deutscher Fernsehfilm? Das kann nicht gutgehen. Doch die Damen und Herren Produzenten haben sich der Sache gut angenommen. Mit Tommy Jaud (Vollidiot (Der Film, nicht der Mann)) beauftragte man einen guten Autor, der wurde mit Tobi Baumann (Der Wixxer) durch einen komödienaffinen Regisseur unterstützt und zur Krönung besorgte man die einzige Besetzung, die in die großen Fußstapfen ihrer Originale passen würde, ohne sich mit jedem Schritt den Knöchel zu verstauchen: Christoph Maria Herbst durfte den arroganten Steve Martin spielen und Bastian Pastewka wurde zur schlankeren, aber nicht minder liebenswerten John Candy Hommage. Wenn schon, denn schon. Die zwei großartigsten Komiker des deutschen Fernsehens, da kann nicht viel Schief gehen und tatsächlich: Die einzigen fünf Minuten innerhalb der ersten Stunde, in denen ich nicht gelacht habe, war der Werbeblock. Nein, Joghurt für die Verdauung bringt mich ohne lustige Furzgeräusche nicht zum schmunzeln.

Die Anspielungen an das Original sind zahlreich, aber wirken nie aufdringlich und wer glaubt die Story im Voraus zu kennen, der irrt sich auch. Auch wenn die Reihenfolge der Fortbewegungsmittel gleich bleibt (Planes, Trains and Automobiles (so der Originaltitel)), dazwischen gibt es genug Neues und viele großartige Lacher. Ob man statt zwei 90-Minüter vielleicht auch einen kompakten 100-Minüter hätte drehen können, ist eine andere Frage, über die man definitiv nachdenken könnte. Ich wüsste direkt welche Szenen man hätte ohne Probleme komplett weglassen können. So hätte man unter anderem das kitschige Ende locker halbieren können. Doch nun verkommen die letzten Minuten leider zu einem Ausschnitt aus einer Tschibo-Werbung. Dass man bei der Musik die Klassiker von der letzten Betriebsfeier ausgewählt hat hilft dort auf keinen Fall, aber ein wenig Deutsch muss der Film ja schon bleiben. Dazu gehört auch die Musik, die jeder Zuschauer zwingend so oft gehört haben muss, dass er den Text mitkotzen kann.

Die IMDB sagt 6.7, ich runde kräftig auf. Der Film wäre sicherlich nicht halb so witzig ohne Herbst und Pastewka, auch hätte er wesentlich kürzer sein können, doch ich habe mich auch so unterhalten gefühlt.

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  • Filmempfehlungen des Monats:
    • Django Unchained
    • Vergiss mein nicht
    • Fargo
    • Der Frühstücksclub
    • Sherlock Junior
  • Zuletzt gesehen:
    • Elysium (1.)
    • Everybody’s fine (1.)
    • Die Brücken am Fluss (1.)
    • Black Hawk Down (1.)
    • Winter’s Bone (1.)
    • Stay (1.)
    • Now you see me (1.)
    • Same Same but Different (1.)