Das erstaunliche Leben des Walter Mitty | The movie-goofs
Jan 2014 13

The Secret Life of Walter Mitty, USA, 2013

Im Leben geht es um Mut und den Aufbruch ins Unbekannte

Es ist lange her, dass ich im Kino das letzte Mal geweint habe. Okay, richtig geweint habe ich noch nie (im Kino), doch Gary Oldmans epische Rede am Ende von „The Dark Knight“ drückte mir eine Freudentränen aus dem Kopf. Dasselbe erreichte Walter Mitty gestern; und zwar gleich doppelt. Das erste Mal weinte ich an der Kasse, als ich sah dass die Preise für einen normalen 2D Film ohne Überlänge bereits bei 9,30€ liegen. Doch Walter Mitty ist jeden Cent wert gewesen und so konnte ich getrost die letzten Minuten des Films mit mir selbst kämpfen, damit mein Freund, der neben mir saß nicht mitkriegt was für eine Pussy ich bin. Dass mich ein Ben Stiller Films jemals zu Tränen rühren würde, das hätte ich nie in meinem Leben geglaubt. Höchstens Tränen im Lachkrampf.

Walter Mitty (Ben Stiller) ist ein langweiliger Mensch, der in der Fotoabteilung des Life-Magazines arbeitet. Er hat sich in seine neue Kollegin Cheryl (Kristen Wiig) verliebt und träumt den ganzen Tag so vor sich hin. Meistens tritt er in diesen Phantasien als Abenteurer auf, so wie Jene, die er auf den Fotos sieht, wenn er sie in seinem dunklen Kämmerchen entwickelt. Als der berühmte Fotograph Sean O’Connell (Sean Penn) das Foto für das letzte Cover des Life-Magazins schickt fehlt das entsprechende Negativ in der Rolle. Inspiriert durch Cheryl wagt er den Schritt ins Ungewisse und begibt sich auf eine Reise, die ihn nach Grönland, Island und Afghanistan führt. Unterwegs findet er das Negativ nicht, doch er findet sich selbst.

Ben Stiller zeigt mit diesem Film, was für ein großartiger Schauspieler er wirklich ist. Den liebenswerten Looser bringt er hier zur Perfektion und entwickelt ihn zu einem Mann, der sich ins Unbekannte stürzt; ein Mann der aufhört zu träumen und keine Furcht mehr hat. Eine Freundin meinte einmal, es gibt zwei Typen Mensch: Die die schon in Island waren und die die noch hinwollen. Hätte ich ihr nicht bereits damals zugestimmt, dann hätte ich es spätestens jetzt. Diese Insel kombiniert wie kaum eine andere Gegend dieses wundervollen Planeten eine Kombination aus Wildnis, Schönheit und Freiheit. Und Stuart Dryburgh fängt diese Schönheit mit einer wunderbaren Kameraführung ein. Selbst Afghanistan, bei dessen Namen man leider meist an Terroristen und Krieg denkt, scheint plötzlich das Traumziel für den nächsten Wanderurlaub zu sein. Ben Stiller fährt auf einem Longboard eine kurvige Straße in Island hinunter und mir gehen Augen und Herz auf, das Knie wippt. Musikalisch macht dieser Film sowieso alles richtig. Ein Großteil des Soundtracks stammt aus der Feder von José González und seiner großartigen Band „Junip“. Melancholische Musik, die Hoffnung und Freude ausstrahlt. Und wenn Kristen Wiig David Bowie zitiert, ist bei mir sowieso alles verloren. You had me at ‚Groundcontrol to Major Tom‘!

Vor allem Zuschauer, die das Gefühl haben, dass sie feststecken, dass sie ihr Leben nicht in vollen Zügen ausleben, für diese wird der Film ein inneres Wunschdenken wecken. Mich packt das Fernweh und der Wunsch, einfach aus dem aktuellen Leben auszubrechen. Ein wundersames Gefühl, denn es bereitet mir Bauchschmerzen, es weckt Ängste und macht mich gleichzeitig Glücklich.

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