Die Jagd | The movie-goofs
Feb 2014 07

Jagten, DK, 2012

Ein Meisterwerk über die Hysterie der Masse.

Thomas Vinterberg gilt neben Lars von Trier (Antichrist) und Anders Thomas Jensen (Adams Äpfel) als der Inbegriff des Dänischen Kinos. Als Mitbegründer der Dogma 95 drehte er 1998 “Das Fest”. Ein Film der optisch als Amateurfilm durchgehen konnte, aber mit einer so starken Geschichte aufwartete, dass er noch heute als großartiges Stück Kinokunst gilt. Danach wurde es, zumindest an den Kinokassen, eher ruhig um Vinterberg. Doch 2012 hat er seinen zweifellos besten Film abgeliefert. Ein Film der dieses Jahr den Oscar nach Dänemark holen sollte. Es wäre der 4. Auslands-Oscar für die Dänen (nach 1988, 1989 und 2011).

Lucas (Mads Mikkelsen) arbeitet in einem Kindergarten, die Kinder lieben ihn abgöttig und er liebt sie. Sein Sohn wird bald zu ihm ziehen, er beginnt eine Beziehung mit einer netten jungen Frau; Es scheint gut zu laufen in seinem Leben. Doch eine kleine Lüge, bringt dieses Leben völlig durcheinander: Das Mädchen, die Tochter von Lucas’ bestem Freund, kombiniert eine Enttäuschung mit einer unbedachten Handlung ihres Bruders und plötzlich wird Lucas der Pädophilie beschuldigt. Selbst als die kleine Klara alles zurück nimmt, bleiben die Beschuldigungen als mutmaßliche Fakten bestehen und Lucas’ Leben verwandelt sich in eine Hölle.

Wohl kein Film hat bei mir dermaßen Unwohlsein ausgelöst wie die Jagd, denn in meinen Augen gibt es kein schlimmeres Einzelverbrechen als den Kindesmissbrauch. Der Zuschauer bekommt zu keiner Minute auch nur die geringsten Zweifel an Lucas’ Unschuld und so steht man hier zwischen den Fronten: Einerseits sieht man das grobe Unrecht, dass ihm widerfährt; Den Hass, der in Brutalität und Psychoterror gipfelt. Andererseits versteht man auch die Positionen der Eltern, die das Unvorstellbare greifbar machen möchten und nicht verstehen können. Der Film lässt auch diesen Menschen genug Raum, sodass es unmöglich ist, sich voll und ganz auf eine Seite zu schlagen. Dieses Zerreißspiel, welches hier mit dem Zuschauer getrieben wird, löst so starkes Unbehagen aus, dass es über weite Strecken fast unerträglich wird. Vor allem für Zuschauer, die völlig in Filmen aufzugehen vermögen, wird dieser Film für einen hohen Puls sorgen. Die Tatsache, dass es sich hierbei nicht um Mainstreamkino handelt, lässt einen von vorn herein auch noch damit rechnen, dass Lucas den Film nicht überleben wird; was es noch viel grausamer macht. Aber zum Glück ist das kein Deutscher Film.

Wunderschön gefilmt zeigt der Film Bilder, die einem Meisterwerk würdig sind und mit der Musik und der durchweg großartigen Darstellerriege wird das noch einmal unterstrichen. Wie bereits bei Iñárritus “21 Gramm” lässt der Film den Zuschauer so zerstört zurück, dass man für sehr lange Zeit darüber nachdenken wird, jedoch nicht in der Lage ist, diesen Film so schnell wieder zu sehen. Doch eins ist klar: Der Film bekommt einen Ehrenplatz im Regal und wird mir noch einige Male Bauchschmerzen bereiten dürfen.

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