Die Legende von Paul und Paula | The movie-goofs
Jan 2014 19

Die Legende von Paul und Paula, DDR, 1973

Typisch Deutscher Film der Siebziger. Das ist kein Kompliment.

Da macht der Film gleich richtig Spaß: Die Legende von Paul und Paula beginnt mit dem Puhdys Klassiker „Wenn ein Mensch lebt“. Die Rolling Stones des Ostens, wie sie gern genannt werden, steuerten einige ihrer besten Songs zum Soundtrack bei und wurden danach zu Stars. Doch leider bilden die Herren das Beste am ganzen Film.

Die Geschichte erzählt von Paul, der unglücklich verheiratet ist und von Paula, die ihren Mann beim Fremdgehen erwischt und rausgeworfen hat. Paul und Paula treffen sich auf einer Party, fangen eine Affäre an, doch sie binden sich nicht, denn Paul hat Angst mit einer Scheidung seine Karriere zu zerstören und seinem Sohn zu schaden. Sie wohnt in einem heruntergekommenen Altbau, er wohnt gegenüber in der neuen Platte. Die Häuser reflektieren die Gesellschaft, denn ihre Wohnumgebung ist eine reine Baustelle und die Extreme stehen sich direkt gegenüber. Erst als Paul den Mut aufbringt seine scheinbar bessere Welt zu verlassen, wird er glücklich. Das Thema war grenzwertig für die DDR-Regierung, erst Erich Honecker persönlich gab dem Film die Freigabe. Nachdem die beiden Hauptdarsteller 1980, bzw. 1982 in die Bundesrepublik gegangen waren, wurde der Film aus der Öffentlichkeit verbannt.

Nun habe ich ihn also auch gesehen: Den ultimativen DDR-Kultfilm, den Lieblingsfilm unserer Kanzlerin. Dass es ihr liebstes Stück Kinogeschichte ist habe ich im September in der Bild gelesen. Natürlich frage ich mich noch heute warum ich die Bild gelesen habe. Normal würde ich doch auch keine Scheiße in die Hand nehmen und nur weil man meinen Briefkasten damit zugestopft hat mache ich eine Ausnahme? Aber gut, ich war neu in meiner Wohnung, hatte noch keinen Computer dort, im Radio liefen nur die drei Kanäle die alle und immer das gleiche spielen und die Pizzeria-Karten waren auch schnell gelesen.

Aber zurück zum Thema: Die Legende von Paul und Paula ist ein typisch deutscher Film der Siebziger. Leider ist das aus meinem Mund kein Kompliment, denn bislang habe ich noch keinen deutschen Film aus dem Jahrzehnt entdeckt, der mir gefallen hätte. Vor allem der beinahe überzogene Wunsch, die Realität abzubilden und damit den Zuschauer vor den Kopf zu stoßen, ihm regelrecht ins Gesicht zu spucken, widert mich an. Wenn ich ins Kino gehe, dann möchte ich der Realität entkommen, nicht von ihr angekotzt werden. (ACHTUNG SPOILER!) Wenn man dort also in der letzten Minute durch einen Sprecher, der vorher überhaupt nicht vorkam, ankündigt, dass die Hauptperson kurz darauf gestorben ist, dann rollen sich mir die Fußnägel bis zum Knöchel hoch. Heute würde kein Studio ein solches Ende abnicken, jeder Nachwuchsregisseur bekäme die Fresse voll, weil das schlechtes Erzählen ist. Doch in der pseudo-anspruchsvollen Phase der Siebziger gehörte es zum guten Ton Happy Ends zu vermeiden. Paul und Paula hätte auf keinem Fall im Kitsch enden können. Und hätte man sich noch so viel Mühe gegeben, es wäre nicht möglich gewesen. Der Film lässt am Ende folgende Moral stehen: Packt euer Leben an, rennt nicht vor eurem Glück weg, denn es währt nicht lange. Doch die genaue Dauer hätte man unbeantwortet lassen können…

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