Hatari! | The movie-goofs
Jul 2014 08

Hatari, USA, 1962

Ab in die Steppe der Kinokunst.

Hatari! Mit Ausrufezeichen, als müsse man diesen Titel schreien. Selbst der gute alte John Wayne ist rufend auf dem Plakat zu sehen. Hatari, das ist Suaheli für “Belanglos!”. Zweieinhalb Stunden sitzt man in einer erzählerischen Wüste fest und begleitet ein paar Männer die in Afrika einen Tierhandel betreiben. Sie glorifizieren das Leben des Wilderers, sperren Büffel in Holzkisten, sie sogar zu eng wären, wenn man den Büffel vorher häxelt. Sie fällen ganze Bäume, nur um Affen zu fangen und saufen sich abends die Hucke zu, als wäre ihre Existenz nicht anders zu ertragen. Wayne ist mal wieder an forderster Front. Eine junge Frau reist an, natürlich keine Ahnung von Afrika: Noch nie eine Waffe gehalten, sie trägt ein Kleid, blablabla, Frauen-Klischee-Zufallsgenerator angeworfen, fertig ist die Nebenhandlung von Hatari. Auch typisch: Sie wirft sich natürlich an das einzige Arschloch in der weiten Wüste. In einem Anfall von Hollywood-Logik verliebt sich die junge Dame in den ältesten Mann in der Truppe. Nicht, dass der Rest passender für sie wäre. Es wimmelt dort auch sonst nur so von hormongeladenen Stelzböcken. Der tagtägliche testosterongeladene Jagtsport führt zu abentlichem Samenstau, wenn auf sechs Männer zwei Frauen kommen. Doch auch hier schlägt das Drehbuch ungeahnte Bahnen, wenn sich drei Männer auf die eine Frau konzentrieren und die andere voll und ganz in John Waynes Hand ist. Red Buttons fällt hier eine besondere Rolle zu, denn der etwa 40jährige agiert dreifach: Als Running-Gag sorgt er für die Lacher, alle so Flach, dass selbst Fips Asmussen sie nicht aufschreiben würde. Nebenberuflich scheint er Brigitte-Kolumnist zu sein und weiß über alle bescheid; wessen Hand gern in wessen Hose will. Doch am stärksten wird er, wenn er John Wayne persönlich am Handspiel hindert und stets dazwischenfunkt, wenn er mal mit seiner Dame allein ist.

“No Animal was harmed during the making of this movie” Dieser Satz wurde erst viele Jahre später bei Filmen verwendet und wäre hier in etwa so passend gewesen wie Stöckelschuhe bei der Nashornjagt. Diese nimmt im Film übrigens rund zwanzig Minuten ein und beweist sich als zelluloidgebannte Tierquälerei.

Nachdem man sich reichlich zwei Stunden durch die Steppe der Erwartungen gequält hat, wird die Liebesgeschichte in den zweiten Akt geschickt. Ohne sinnvollen Grund kommt es zum Streit. Die Versöhnung, der Klischee-Generator spuckt hierzu eine Szene doppelt aus, kommt schneller als ein vierzehnjähriger beim ersten Mal und bevor man sich versieht steht da schon “The End”.

IMDB sagt 7,3, ich kann mich mit Ach und Krach zu einer 3 durchringen. Zwei überlappende Storys, die so gut zusammenpassen wie Senf und Nutellabrot und Dialoge die so sinnlos daherkommen, dass man den Leuten ständig nur “You don’t say?!” zurufen möchte: Nashorn rammt das Auto “Es rammt das Auto!” Sorry John, nichts für mich.

Prädikat “Belanglos”

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