Rated RH | The movie-goofs
Dez 2013 01

Auf in die Weihnachtszeit! Beschauliche Schneelandschaften und überfrierenden Glätte lassen uns Besinnlich werden. Kuscheln wir uns mit einem warmen Wintertee in die Couch und schauen wir die besten Weihnachtsfilme aller Zeiten.

1. Ein Ticket für Zwei (1987)

Zwei Männer formieren sich zu einem völlig inkompatiblen Team um für Thanksgiving nach Hause zu kommen. Steve Martin und John Candy zeigen sich in ihrer absoluten Höchstform. Kaum einen Film habe ich öfter angeschaut als “Planes, Trains and Automobiles” (so im Original) und trotzdem lache ich jedes Mal wieder Tränen. Einfach alles geht schief auf diesem verrückten Nachhauseweg. Ein absolutes Muss für jeden Steve Martin Fan, jeden John Candy Fan, jeden John Hughes Fan, einfach jeden Fan einer typischen 80er-Jahre-Komödie. Der Film sorgt für so viele Lacher, dass man ihm das melancholische Ende völlig verzeiht.

2. Schöne Bescherung (1989)

Und wo wir schon beim schiefgehen sind: Chevy Chase aka Clark Griswold darf da natürlich nicht fehlen! Nach den beiden misslungenen Urlauben versucht der Familienobertrottel ein gesegnetes Weihnachtsfest im Rahmen der Familie zu feiern. Zur Segnung des Tages wird der Truthahn ausgetrocknet, der Baum abgebrannt, die Nachbarin von einem Hund angefallen, Bill Murrays Bruder (ja, der Chef ist Bills Bruder) entführt und eine Kläranlage gesprengt. Frohes Fest!

3. Die Geister, die ich rief… (1988)

Bill Murray wird von drei Geistern heimgesucht die ihm, dem skrupellosen Fernsehproduzenten, die wahre Bedeutung von Weihnachten klarmachen sollen. Das ist die Version von Charles Dickens Weihnachtsgeschichte, mit der ich groß geworden bin. Scheiß auf Mickey Mouse oder die Muppets: Bill Murray is in da house! Und da der Film dieses Jahr ein viertel Jahrhundert alt wird, gibt es einen weiteren Grund dieses wunderbare Werk anzuschauen.

4. Nightmare Before Christmas (1993)

What’s this? What’s this? Was passiert, wenn Halloween-Figuren Weihnachten feiern wollen? Es wird gruselig, lustig und musikalisch. Dieser Film spricht auch Nicht-Musical-Fans an, sind die Songs doch so toll, dass man unbedingt mitsingen MUSS! Tim Burton hat den Film geschrieben und sein Standartmusiker Danny Elfman die Hauptrolle übernommen. Noch irgendwelche Fragen? This is Halloween, this is Halloween, Halloweeeeeen!

5. Ist das Leben nicht schön? (1946)

Viele dürfen das Motiv kennen, doch nicht den Film dazu: In George Baileys Leben ist einiges schief gegangen. Frustriert sitzt er auf einer Brücke, um sich das Leben zu nehmen, da kommt ein Engel herab und zeigt ihm die Welt, wie sie ohne ihn wäre. Der Film spielt über weite Strecken zwar nicht an Weihnachten, doch James Stewart ist wie immer großartig und die IMDB-Nutzer haben ihn auf Platz 27 der besten Filme aller Zeiten gesetzt. Übrigens ist aktuell eine Fortsetzung(!) zu dem Film geplant. Die wohl einzige noch Lebende Mitwirkende aus dem Original (Baileys sechsjährige Tochter) soll auch mit an Bord sein.

Der Monat wird also Weihnachtlich und äußerst Einseitig was das Alter der Filme betrifft, aber in den späten 80ern und frühen 90ern entstanden nun mal die besten Weihnachtsfilme aller Zeiten. Diese Filme sind Herzerwärmend, aber nicht kitschig. Dafür wunderbar Lustig! Und da es im Dezember eh zu Kalt ist um rauszugehen, gibt es diesmal zwei Zusatz-Aufgaben: Kevin Allein zu Haus (1990) und Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1974). Wer dann noch nicht genug hat, schaut sich halt Stirb Langsam an.

Nov 2013 27

Caligula, ITA, USA, 1979

Der geschichtlich akkurateste Porno aller Zeiten

Viel wurde über „Caligula“ geredet. Der römische Kaiser gilt als einer der ausschweifendsten und brutalsten Imperatoren seiner Zeit; und das obwohl er nur 4 Jahre regierte. Entsprechend kontrovers wurde der Film seinerzeit erwartet, als dieser von Penthousefilms realisiert wurde. Moment? Penthousefilms? Da stimmt doch irgendwas nicht… Ein Sandalenfilm, produziert von einer Porno-Hütte? „Na da gibt es bestimmt die ein oder andere Brust zu sehen.“

Oh, wie weit ich doch von der Wahrheit entfernt war… Bereits in Eröffnungsszene wird der ersten Dame unter die Toga gefilmt: Caligula macht mit seiner Schwester rum. Nach zehn Minuten habe ich aufgehört Penisse zu zählen. Warum hast du überhaupt erst angefangen? Was stimmt mit dir nicht Robin? Innerhalb von zwanzig Minuten sieht man die erste Sex-Orgie, die Kamera hält drauf, der Kameramann legt sich regelrecht dazwischen. Willkommen im Palast von Gaius Koitus.

Malcom McDowell, wenige Jahre zuvor schickte Kubrick ihn mit Zylinder und Stock prügelnd durch London, scheint perfekt für diese Rolle zu sein. Doch das hohe Maß an Sexualität und Perversion nimmt völlig absurde Züge an. Wer kommt bitte auf die Idee, einen historischen Pornofilm zu drehen? Und dann auch noch 156 Minuten lang. Allein die Orgie im letzten Drittel geht geschätzte 25 Minuten. Klar geht die Story über „Ich habe leider kein Bargeld für die Pizza bei mir“ hinaus: Wenn die Leute nicht gerade vögeln, wird gefressen oder gefoltert. Außerdem gibt es eine große Schlacht (bei der die Gegner Papyrus-Sträucher und die Soldaten nackt sind).

Nein, dieser Film hat bei mir versagt. Als Historienfilm, weil zu viel gehurt wird, als Porno, weil zu wenig gehurt wird. 90 Minuten Vorspiel? Nicht wenn ich alleine bin!

IMDB sagt 5.1, dem kann ich mich nicht anschließen. Jetzt muss ich diesem Film aber irgendetwas abgewinnen… Einen Stern für McDowell, der Caligulas Wahnsinn großartig darstellt, einer für die Sets, denn für einen Historienfilm waren die gut, für einen Porno großartig. Einen dritten gibt es für Hellen Mirren. Einfach nur weil ich sie mal erwähnen wollte… Tolle Schauspielerin.

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Nov 2013 20

The Quick And The Dead (USA, 1995)

Als Leo jung war und das Geld brauchte und Sharon einfach mal Bock auf einen Western hatte.

Eine namenlose Reiterin kommt in eine Stadt, sofort nimmt der Bestatter maß. Sie geht in eine Bar und nimmt an einem tödlichen Wettkampf teil: Ein Duell-Wettbewerb wird über eine Kiste voll Geld entscheiden. Sogleich stellen sich dem geneigten Cineasten zwei Fragen: Wieso nimmt diese schöne Unbekannte teil und wieso ist sie die einzige Person in Texas mit einer Zahnbürste? Putzte sie vielleicht sogar morgens mit Elmex? Damals musste man ja was riskieren um zu überleben. Aber die wichtigste Frage ist doch, ob der Mann am Zoom-Knopf der Kamera Epilepsie hat. Ich schweife ab; zurück zur Handlung: Wer gewinnt den Wettkampf? Der Bösewicht Gene Hackman? Der Priester Russell Crowe? Der arrogante Jüngling Leonardo DiCaprio? Oder Möchtegern-Eastwood mit Brüsten Sharon Stone?

Was dann folgt ist ein Ausbund höchster Güte. Ich bin sicher Sharon Stone hat seit diesem Film Sergio Leones Poltergeist in ihrem Haus. Ein dünnes Drehbuch wurde mit vermeintlich spannenden Duellen gefüllt und dann in Wasser gelegt damit es noch etwas aufquillt. Vielleicht auch verdünnter Schmalz. Heraus kommt eine tausendfach gesehene Story über Rache, Hass und Männer die Fingerspiele mit Revolvern machen. Regisseur Sam Raimi, der damals durch seine Evil-Dead-Reihe bewiesen hatte, dass er nicht zu den Seriösesten der Branche gehörte, wagte den Schritt zu den ernsten Filmen. Leider glitt ihm das öfter aus der Hand und so kann der Zuschauer mehrfach durch erschossene Duellisten schauen, bevor diese zu Boden gehen. Egal ob ein Sonnenstrahl aus dem Bauch oder ein 70er Loch im Schädel: Seriös kann jeder! Dumm nur, dass der restliche Film seriös sein möchte. Dass es zwei heftige Regenfälle, gefolgt von staubtrockenen Straßen gibt, hilft ebenso wenig wie die Tatsache dass Russell Crowe während des gesamten Films in Ketten liegt, jedoch immer gerade dort angebunden ist, wo es dramaturgisch passend ist. Egal ob vor Hackmans Haus, vor dem Saloon oder direkt im Bordell; Russell ist dort wo man ihn braucht! Den Höhepunkt erreicht der Film dann mit einer Sexszene die so deplatziert ist wie Al Pacino in einer Familienkomödie; Sieht gut aus, aber ergibt keinen Sinn: Sharon Stone sucht das Grab ihres Vaters, findet ihn nicht und reitet zurück in die Stadt, um Russel Crowe zu vögeln, obwohl sie diesen noch vor wenigen Minuten mit Hass überzogen hat. Übrigens trägt diese Frau ihren Pistolengürtel stets so, dass der Colt zwischen den Beinen hängt, statt an der Hüfte. Da scheint eine nicht näher hinterfragte Symbolik dahinter zu stecken.

Zum Höhepunkt der Duelle wird dann die komplette Stadt gesprengt um Gene Hackman eins auszuwischen. Doch die Ohrfeige trifft eher den Zuschauer und den Apotheker dessen Existenz in die Luft gejagt wurde. Hauptsache es sieht geil aus.

IMDB sagt 6.3, ich runde grob ab. DiCaprio und Hackman bleiben die Highlights in diesem Film, der ansonsten nur durch schräge Zooms und die lächerliche Ausbeutung des Vertigo-Effekts auffällt.

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Nov 2013 12

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür. Es wird Zeit für die ersten Kuschel-in-die-Couch-Filme. Zu diesem Zweck die Empfehlungen des Hauses für den Novemver:

1. Beetlejuice (1988)

Ein Ehepaar stellt fest, dass es tot ist und nun gilt es, die neuen Hausbewohner zu vertreiben. Michael Keaton soll ihnen dabei helfen. Es gab eine Zeit in Tim Burtons Leben ohne Johnny Depp, oder Helena Bonham Carter und die war keinesfalls weniger Fruchtbar. Beetlejuice gehört einfach in jede gute Sammlung. Ein großartiger Film, so herrlich bekloppt, dass es ein Segen ist. Im Original wie im Deutschen sehenswert, weil gut Synchronisiert. Also schaut euch Beetlej-j-j… Puhh das war knapp. Schaut ihn euch an!

2. Frances Ha (2012)

Ein Ausschnitt aus dem Leben einer jungen Frau ohne Ziel und Wegweiser. Noah Baumbachs Komödie ist genau das richtige für den November. Greta Gerwig ist eine der natürlichsten Schauspielerinnen die es derzeit gibt und als Frances Ha stellt sie ihr enormes Talent unter Beweis. Wer danach nicht zu David Bowie durch die Straßen tanzen möchte, dem ist nicht mehr zu helfen. Wer es tatsächlich tut, dem wohl auch nicht.

3. This Boys Life – Die Geschichte einer Jugend (1993)

Leonardo DiCaprios Mutter heiratet Robert DeNiro. Fortan leiden alle unter dem cholerischen Stiefvater. Großes Schauspiel! Aber Achtung: Hier wird einem tatsächlich kalt werden. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Film auf den Kindheitserlebnissen des Drehbuch- und Romanautoren beruht. Fakt ist, ich möchte nie in meinem Leben nach Concrete/Washington.

4. Botschafter der Angst (The Manchurian Candidate, 1962)

Frank Sinatra hat den düsteren Verdacht, dass sein Korea-Krieg-Kumpane einer Gehirnwäsche unterzogen wurde um den kommenden Präsidenten zu ermorden… Dieser Film halt alles, was man sich von einem Polit-Thriller aus der Zeit des Anti-Kommunismus erhofft. Nicht ohne Grund hält er sich wacker in den IMDB 250.

5. Der Vagabund und das Kind (The Kid, 1921)

Charlie Chaplin findet ein Waisenkind und zieht es groß; Bis das Jugendamt den Jungen mitnimmt. Der Klassiker des Monats ist aktuell der älteste Film in den IMDB 250 und in meinen Augen Chaplins bester Film. Wie kein zweiter verbindet Chaplin hier großartige Komik mit einer herzzerreißenden Geschichte. Ein Denkmal für den Stummfilm und wenn Jackie Coogan auf den LKW des Waisenhauses verladen wird, braucht es keinen Ton; Man sorgt selbst für lautes Weinen.

Viel Arbeit für den Monat, aber ich verspreche euch, es lohnt sich!

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Jun 2012 19

Ich sitze vor dem Fernseher und schaue einen Film. Ein Schreikrampf will heraus. Warum? Ich sehe es immer wieder: Lügen und Verschwiegenheit als Aufmacher für die Filmhandlung. Meistens sogar nur als dramatische Wendung vor dem letzten Akt. Wieso schweigt sie jetzt? Ein Satz und sie wäre aus dem Schneider, einfach mal die Fresse aufmachen, alles erklären und die Sache wäre gegessen. Doch dann wäre ja auch der Film vorbei. Der komplette dritte Akt von “The Majestic” besteht beispielsweise aus so einer Verschwiegenheit: Jim Carry, ein Autor aus Hollywood, hat einen Autounfall und wird in einer Kleinstadt als ein vermisster Kriegsheimkehrer aufgenommen. Nach einigen Monaten erlangt er sein Gedächtnis wieder und wird kurz darauf verhaftet: In Hollywood liefen Ermittlungen gegen ihn. Anstatt sich vor der Stadt, oder zumindest vor seiner Freundin zu erklären verschwindet er schweigend, die Erklärung bekommen die Stadtbewohner nur durch Zufall mit; ohne Liveübertragung der Verhandlungen hätte keiner in der Stadt die Gründe erfahren. Jedes Mal, wenn ich solche Szenen sehe, rollen sich bei mir die Fußnägel bis zu den Knien hoch. Ich möchte einfach nur noch die Charaktere im Film dafür schlagen, dass sie so viel Trauer und Hass über sich ergehen lassen, obwohl sie es mit einem Satz lösen könnten. In “Dancer in the Dark” hätte Björk mit ein paar offenen Worten ihrem Sohn trotzdem helfen können… Stattdessen bringt sie vor Gericht nur Bruchstücke zum besten und wird zu Recht verurteilt. Derartige Situationen ergeben sich wieder bei “Ziemlich beste Freunde”, bei dem für die Beteiligten nicht klar wird, warum Driss seinen Job hinschmeißt, bei “Es geschah in einer Nacht” verhindert ein simples Missverständnis, lösbar durch drei Sätze des ohnehin wohlwollenden Vaters, beinahe das Happy-End zwischen Clarke Gable und Claudette Colbert.

Ich will nicht sagen, dass es schlechtes Erzählen ist, aber wenn die Handlung durch solche dummen Taten zum laufen gebracht wird, zeigt sich doch eine gewisse Schwäche im Drehbuch. “Hey, pass auf! Die Pflanze die da in deinem Blumenladen heranwächst ernährt sich von Menschenblut, alles klar? Ihr kleiner Horrorladen würde also nicht laufen, wenn ich den Zahnarzt nicht umgebracht hätte.” Irgendwie aber auch langweilig. Es muss doch einen besseren Weg geben, als den Charakter schweigen zu lassen, was ihn dem Zuschauer als Idioten offenbart.

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Jun 2012 13

Einer meiner liebsten Filmemacher, Woody Allen, ruft seit Jahrzehnten, dass Ingmar Bergman sein größtes Vorbild ist. Doch wie können diese beiden Geister überhaupt zusammenpassen? Bergman ist bekannt durch “Das siebte Siegel”, “Persona”, “Hanna und ihre Schwestern” und “Wilde Erdbeeren”. Diese finden sich allesamt in den IMDB Top 250 wieder… Gute Filme also, möchte man meinen, wäre da nicht ein kleiner Hacken: Die Filme sind stinklangweilig! Woody Allen dreht Filme, bei denen der Hauptcharakter am Ende genau dort rauskommt, wo er am Anfang stand; nur reifer. Bergman dreht Filme, bei denen der Zuschauer am Ende genau dort rauskommt, wo er am Anfang stand; nur ausgeschlafener. Wenn es ein Regisseur versteht mehr zu erzählen, als zu erzählen ist, dann ist es Bergman. Tarantinos belangloses Gelaber bei “Death Proof” löst im Vergleich mehr Aufregung aus, als Bungee-Jumping an einem Bindfaden im Vesuv. Die goldene Regel beim Film lautet “Show, don’t tell!”, doch Bergman erzählt weitaus mehr als er zeigt. Und danach lässt er seine Charaktere noch mehr erzählen. Erzählen, erzählen, erzählen, erzählen, schwarzweiß-Aufnahme von einem Baum. Warum der Herr in “Persona” zu Beginn für den Bruchteil einer Sekunde einen erigierten Penis in den Film geschnitten hat, ist wohl ebenfalls ein Geheimnis welches der Schwede mit ins Grab genommen hat; Zusammen mit einem breiten Grinsen, darüber, wie Andere an seinen Filmen festgehen und versuchen die Langeweile zu interpretieren.

Bislang habe ich drei Filme gesehen; die wohl langweiligsten Stunden des bisherigen Jahres. Ich werde ihm noch eine Chance geben, Fellini habe ich immerhin auch vier gegeben, die er allesamt mit Bravour verrissen hat. Der Italiener hatte immerhin irgendwas zu sagen, auch wenn es meistens nur hieß “Das leben ist Scheiße!” Doch Bergman machte Filme von 90 Minuten Länge, die heute auch in 15 erzählt werden könnten. Man schaut kontinuierlich auf die Uhr, weil man sich fragt warum der Sonnenaufgang noch nicht kommt. Wenn man später meine DNA nicht verändern kann, dann werde ich als Rentner nur noch Bergman-Filme schauen, es wird mir das Gefühl geben, ewig zu leben. Auch wenn ein solches Leben nicht Lebenswert ist. Nein, es ist kein guter Start den das schwedische Kino bei mir hingelegt hat.

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Jun 2012 04

Dancer in the Dark, EU, 2000

Tanz mit mir den Tanz der Depression

Ich hatte einen anstrengenden Tag, also wollte ich mir etwas entspannendes auf die Augen und Ohren geben. Dass die Wahl dann auf Lars von Triers “Dancer in the Dark” fiel ist so abwegig wie ein Mensch, der den ganzen Tag deutsches Fernsehen schaut und trotzdem noch einen IQ hat, der über seiner Körpertemperatur liegt, während er tot in einem Kühlschrank sitzt. Der Film des dänischen Skandal-Regisseurs handelt von einer jungen Frau, die zunehmend blind wird und jeden Cent für ihren Sohn spart um ihm die Krankheit zu ersparen. So viel zur ersten Filmhälfte, doch in der Zweiten geht alles hinüber: Lars von Trier, der im vergangenen Jahr mit “Melancholia” seine eigene Depression zu bekämpfen versuchte, tritt dem Zuschauer am Ende ins Gesicht. Im Gegensatz zu Federico Fellinis italienischen Abnormitäten des Kinos benötigt er dafür aber weniger Zeit und baut sogar eine Story auf. Der Tritt wird sozusagen begründet. Nichts desto trotz tut er weh. Der Schock, angesiedelt zwischen völligem Entsetzen, tiefer Trauer und blanker Ratlosigkeit?, geht unter die Haut. Doch er wird geschmälert durch die Musik der bezaubernden Hauptdarstellerin Björk. Die gewisser Maßen gewöhnungsbedürftige Musik der Isländerin mit der niedlichen Stimme lässt das Ende geradezu harmonisch erscheinen. Vielleicht hätte Fellini bei mir auch eine DVD im Regal, wenn einer seiner Filme mit Moby enden würde. Alle tot – “Why does my heart feel so bad?” Die Hure ist ärmer als vorher – “In this world”. Könnte klappen. Zumindest würde ich mir dann das Ende hin und wieder anschauen, oder, was wahrscheinlicher ist, Moby kaputt machen und nicht mehr ertragen können. Totgespielt wie das ewig stinkende “Wind of change” der Scorpions, die ständig auf einen Song reduziert werden, der ihr Gesamtwerk nicht im Geringsten widerspiegelt.

“Dancer in the Dark” unterlegt totale geistige Zerstörung, gefilmt mit herkömmlichen Fernsehkameras, mit wunderbarer Musik und wird damit zum wohl einzigen Psycho-Drama-Musical der Filmgeschichte. Nichts für labile Menschen mit der Rasierklinge am Anschlag. Aber für Fans des isländichen Künstlerin deren Namen wohl jeder schon einmal gerülpst hat und für jene des dänischen Schock-Antichristen von Trier.

Ach und nur weil ich es lustig finde: Das Gefängnis in dem die letzten Szenen spielen, wurde nach den Dreharbeiten rosa gestrichen und als Porno-Set genutzt. Das nenne ich Nachhaltigkeit Frau Merkel!

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Mai 2012 29

Wenn man den Fernseher einschaltet, kann man eigentlich immer erkennen, ob das gezeigte eine deutsche Produktion ist, oder nicht. Doch das liegt nicht unbedingt an der Synchronisierung. Irgendwie dürfen Synchronsprecher mehr Ausdruck in ihre Stimme legen, als Fernsehschauspieler in ihr komplettes Schauspiel. Warum ist das so? Eine Frage die ich mir ständig stelle. Aufgesetzte, unnatürliche Aussprache, schauderhafte, völlig realitätsferne Dialoge. Ist es das, was unsere Schauspieler an der Schule lernen? Inhaltslose Filme und irgendwie dumme Nachahmungen der Nouvelle Vague haben in den siebzigern unsere Fernsehserien zerstört und unsere Filme kaputt gemacht. Übrig geblieben sind Fernsehserien, in denen die Schauspieler feinstes Schriftdeutsch reden und damit vollkommen ohne Identität bleiben. Heimatlose Individuen, fern von der Realität. Wieso dürfen die Schauspieler keinen Dialekt sprechen? Es muss doch kein Thriller im tiefsten Sächsisch, oder ein Drama in Ur-Bayrisch werden; es muss doch einen Mittelweg geben. Doch es ist nicht nur die Stimme, die aus flachen Charakteren in schmalzigen Arzt-Serien, strunzhohle Kittelzombies macht. Ihr ganzes Verhalten wirkt verspannt und unnatürlich. So wird aus dem Sturm der Liebe ganz schnell der Sturm der intriganten Roboter.

Dass es anders geht, zeigen uns immer wieder die Größen im Kino. Der deutsche Film wird zunehmend Massentauglicher, weil unterhaltsamer. Doch im Fernsehen bleibt scheinbar keine Zeit für Talententfaltung. Dass es auch auf günstigen Niveau gut werden kann, habe ich erst zuletzt auf der Werkstatt der Jungen Filmszene in Wiesbaden gesehen: Viele Schauspieler, jung und alt, Profi und Amateur, haben an den dort gezeigten (Amateur- und Independent-)Filmen mitgewirkt und viele von ihnen schienen mehr Ausdruck in ihren Augenbrauen zu haben als mancher Hauptdarsteller aus den Fernsehserien im ganzen Körper.

Wenn das deutsche Fernsehen neue Zuschauer gewinnen will und das muss es, weil das aktuelle langsam wegstirbt, dann kann man nur hoffen, dass man sich diese neue Generation in die Studios holt, oder den etablierten Schauspielern mehr Freiräume lässt. Schauspiel ist eine Kunst und sollte als diese auch ihre Zeit bekommen.

Mai 2012 22

Hook, USA, 1991

Tick Tock, Tick Tock, Is that a clock?

Mein Lieblingsfilm von Steven Spielberg? Der Mann, der uns Jurassic Park, Der Soldat James Ryan, Indiana Jones, E.T. und Schindlers Liste gab, wird von mir wegen eines kindischen Fantasy-Abenteuers verehrt. Okay, ich schwinge auch jedes Jahr die Peitsche und kreische “Indiiii!!!” durch die Pampa, doch nichts erfreut mich mehr, wenn ich jedes Jahr aufs Neue tanzend durch die Wohnung singe “Hook, Hook, wir geh’n zu Hook!”. Robin Williams, alias Peter Banning hat vergessen zu fliegen, er hat alles vergessen. Das Nimmerland hält er für ein Hirngespinst aus Kinderbüchern und wenn ihn einer zum Duell herausfordert, dann zückt er sein Handy und zieht in Sekundenschnelle die Antenne. Doch Captain Hook hat seinen alten Widersacher nicht vergessen und krallt sich seine Kinder. Nun muss Peter sich erinnern, oder seine Kinder sind verloren. Die Story des Films spielt viele Jahre nach der eigentlichen Kindergeschichte von James Matthew Barrie. Als Kind kannte ich stets nur Spielbergs Version und schaute voller Entsetzen in ein Aufklappbuch, das Peter die ganze Zeit als Kind zeigt. “Das ist nicht die richtige Geschichte” habe ich damals meine Großmutter berichtigt.

Die Magie des Films, der ursprünglich mehrere Musical-Szenen enthielt, ist für mich ungebrochen. Die Musical-Ansätze kann man übrigens sehr gut erkennen: Mehrfach beginnen die Charaktere beinahe zu singen (Siehe mein Zitat im ersten Absatz). Jedes Bild erzählt fantastische Geschichten und so schaut man den Film zu 10. Mal und entdeckt immer noch etwas (Fast so schlimm wie bei “Zurück in die Zukunft”). Der Hund der bellt und fließend und extrem subtil stufenweise von “Wroff!” zu “Hook!” wechselt ist nur einer dieser Punkte.

Was macht den Reiz dieses, eigentlich harmlosen Kinderspaßes aus? Die farbenprächtige Welt, in der an jeder Ecke Johnny Depp lauern könnte, die Starbesetzung von Robin Williams als Pan, Dustin Hofman als Captain Hook und Maggie Smith als Wendy (hoffentlich wird sie mal so alt wie sie hier aussieht) und vor allem die Musik. John Williams ist sowieso der Gott der Filmmusik. Er hat mehr legendäre Film-Themen geschrieben, als Bud Spencer Zähne ausgeschlagen hat. Hook ist in meinen Augen eines seiner absoluten Meisterstücke. Zumal Williams den Score anhand des Drehbuchs schrieb, da man unter Zeitdruck gekommen war. In diesem Sinne: Ich suche jetzt meinen glücklichen Gedanken.

Das YouTube-Video verletzt unter Umständen Urheberrechte. Ich distanziere mich hiermit von den Verletzungen.

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Mai 2012 15

Dark Shadows, USA, 2012

Über den Film und seinen Macher

Das Wort klingt irgendwie intellektuell, aber auch nach tanzenden, leicht bekleideten Frauen. Auf diese Weise beschreibt es sich selbst: Dinge die kaum zusammenpassen werden mit diesem Wort zusammengefasst. Meine eigene Wortschöpfung “Burtonesque” steht für die Stil eines der wohl stilprägendsten Regisseure der Kinogeschichte: Tim Burton. Der Mastermind hinter herrlich abgefahrenen Grusel-Grotesken wie “Beetlejuice”, “Sleepy Hollow”, “Edward mit den Scherenhänden”, “Mars Attacks!”, “Corpse Bride” und “Alice im Wunderland” ist zur Zeit mal wieder in unseren Kinos zu bestaunen: “Dark Shadows” heißt sein neustes Werk. Sein 15. Spielfilm und schlägt voll in die Vampir-Kerbe, die zur Zeit voller Inbrunst ausgekratzt wird. Doch Burton wäre nicht Burton, wenn sein Blutsauger-Film nicht ohne schmalzige Liebesgeschichte auskäme und den Fokus eher auf die lustige Natur des Vampir-Seins legt: Ein Untoter wird nach 200 Jahren aus einem verschlossenen Sarg befreit und muss sich nun im Jahr 1972 zurechtfinden. Ganz nebenbei beginnt die Hexe, die ihn einst verfluchte erneut ihr Unwesen zu treiben.

“Dark Shadows” zeigt die 5 Punkte des Burtonesque mal wieder auf: Johnny Depp in der Hauptrolle (mittlerer Weile zum achten Mal), Helena Bonham-Carter (sieben Mal), Christopher Lee (fünf mal), Musik von Danny Elfman (bis auf “Sweeney Todd” in allen 15 Filmen dabei) und die Welt in der alles spielt. Der visuelle Stil ist schwer zu beschreiben und doch erkennbar: Phantasievolle Welten, jedoch nicht ganz so gestört wie jene von Terry Gilliam, die sich immer eine gewisse Realität erhalten. Seine Welten sind bunt, oder gruselig, ohne dabei in den Horror abzurutschen. Seine Filme sind verspielt, aber nicht kindisch und in den meisten Fällen auch gar nichts für Kinder selbst. Wem diese Welten und die verrückten Geschichten innerhalb dieser gefallen, der wird Tim Burtons Filme lieben. “Dark Shadows” ist ein Paradebeispiel dafür. Der Film hat sicherlich so manche Schwäche, besonders das Ende kam etwas zu abrupt und Johnny Depps Konfrontation mit der modernen Welt hätte an der ein oder anderen Stelle noch etwas ausgebaut werden können. Steilvorlagen gab es genug. Immerhin gibt es einen der wohl genialsten Gags der je in Verbindung mit einem McDonals-Werbeschild gemacht wurde zu bestaunen und die Verwunderung über “das wohl hässlichste Frauenzimmer überhaupt”, in Gestalt von Alice Cooper persönlich, ist auch wunderbar anzusehen. Insgesamt ist dieser Film mal wieder wunderbar Burtonesque und für Fans der oben genannten Filme durchaus einen Kinobesuch wert. Und mit Kinobesuch meine ich nicht Klick im Internet.

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  • Filmempfehlungen des Monats:
    • Django Unchained
    • Vergiss mein nicht
    • Fargo
    • Der Frühstücksclub
    • Sherlock Junior
  • Zuletzt gesehen:
    • Elysium (1.)
    • Everybody’s fine (1.)
    • Die Brücken am Fluss (1.)
    • Black Hawk Down (1.)
    • Winter’s Bone (1.)
    • Stay (1.)
    • Now you see me (1.)
    • Same Same but Different (1.)