Superbad | The movie-goofs
Jan 2014 11

Superbad, USA, 2007

Warum einer der lustigsten Filme der 2000er mich in die Depression treibt.

Die glorreichen letzten Wochen der Highschool sind angebrochen und Seth (Jonah Hill) und Evan (Michael Cera) sind frustriert: Nach dem Sommer werden die beiden unzertrennlichen Freunde an verschiedenen Unis studieren und was noch viel schlimmer ist: Ihre sexuelle Erfahrung beschränkte sich bislang auf Handspiel vor der Mattscheibe. Doch das soll sich auf der Party von Jules ändern! Ihre Angebeteten sind dort und sie selbst sind die Alkohollieferanten für die Nacht. Möglich macht das ihr Freund Fogell, der einen gefälschten Ausweis besitzt: McLovin ist 25 und kommt aus Hawaii. Idiotensicher. Zum Glück trifft er dann auch auf idiotische Polizisten.

Der Film liefert einen Kalauer nach dem anderen, vor allem für Fans von Fäkal- und Genitalsprache bietet der Film eine wahre Inspirationsquelle. Doch stecken ernste Probleme hinter dem Wahnsinn dieser Nacht: Zukunftsängste und Jugendliebe. Die beiden Freunde wollen um jeden Preis ihre Liebsten flach legen und fürchten sich zugleich vor der Zukunft ohne ihren besten Freund. Das bietet viel Angriffsfläche für Streit und Sorgen. Das führt es auch zu einem ziemlich melancholischen Ende, welches kaum in den Film passen mag. Letztendlich hat der Film seine längste gagfreie Durststrecke am Ende.

Und ich bleibe traurig zurück. Warum? Es ist die Party, die mich an vermisste Chancen erinnert, an Liebeskummer in Jugendjahren und an Spaß, der nie wieder zurückkommen wird. Klar der Liebeskummer kann gern in den vergangenen Jahren bleiben, sowas braucht man so dringend wie Transformers 4, oder Durchfall im Fahrstuhl, bei Stromausfall. Doch Partys wie es sie in diesem Film gibt, existieren doch gar nicht. In der Realität kommt nur die Hälfte aller Facebook-Zusagen (plus ein paar Leute die keiner kennt, die aber scheinbar alle Anwesenden kennen) Die Polizei löst die ganze Sache natürlich halb 11 auf. Wenn im Sommer der erste Stern am Himmel funkelt, liegen die ersten Gäste schon kotzend unter dem Küchentisch und der Gastgeber weint noch immer, dass niemand seine Schuhe ausgezogen hat. Und ich? Angetrunken dazwischen, selbst jetzt noch zu schüchtern das hübsche Mädchen anzusprechen, weil sie mit den populären Leuten zusammensteht. Ich spreche mit anderen Leuten, die nach 10 Minuten zum rauchen gehen und nie wieder zu sehen sind. Ich quatsche Mädels an und lösche sie komplett aus meinem Gedächtnis. Merke mir nur eine hübsche Stimme und dunkelrote Haare. Ich mache meiner Ex Komplimente, die sie mit einer Beleidigung erwidert. „Ach, ich weiß warum ich Schluss gemacht hab!“ rufe ich ihr zu und trinke australischen Wein, der am nächsten Morgen einen alternativen Ausgang wählt. Dann wacht man auf, stinkt nach Rauch und Bier, die Haare kleben, die Brille ist verschmiert, als hätte man sie in eine Fritteuse gesteckt und auf dem Handy findet man drei neue Nummern, „Jule“, „Julia“ und „Jule2“. Manchmal auch Anne, Anna und Hans. Natürlich kann man den verschwommenen Bildern im Schädel keinen Namen zuordnen. Memory in seiner Urform: Namen und Bilder, man dreht die Kärtchen um und nichts ergibt Sinn.

Superbad und andere Partyfilme zeigen die Geschehnisse aus einem schönen Winkel. Da landen auch die mittelmäßigen Jungs mit bildhübschen Mädels im Bett. Ich habe Flirts schon mit wesentlich besseren Sprüchen verkackt. Doch genau das ist auch die Aussage des Films: Du hast nichts zu verlieren. Im schlimmsten Fall bekommst du einen bösen Blick. Und wenn der Drehbauchautor der Meinung ist, dass jemand wie Jonah Hill bei einer bildhübschen Frau wie Emma Stone landen kann, dann sollte ich das doch auch können. Auch wenn ich kein so guter Schauspieler bin.

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