Zwei Weihnachtsmänner | The movie-goofs
Dez 2013 04

Zwei Weihnachtsmänner, D, 2008

Mit Poolnudel und Aktenkoffer durch die Tschechei

Die Weihnachtszeit ist angebrochen; Für mich als Erzgebirgler ist das eine ganz besondere Zeit. Hier im Weihnachtsland werden wir alle so bekloppt wie ein Kölner am 11.11. Nur mit anderem Dialekt. Auch verzichten wir auf schlechte Büttenreden auf dem Weihnachtsmarkt. Doch es duftet nach Räucherkerzchen, wir ernähren uns einen Monat nur von Weihnachtsgebäck und Gänsebrust und stellen die Wohnung mit geschnitzten Holzfigürchen zu. Für mich bedeutet dies natürlich auch, dass ich weihnachtliche Filme anschaue. Und so habe ich nun endlich mal eine Fernsehaufnahme angeschaut, die seit mehreren Jahren auf meiner Festplatte vergammelte.

Tilmann Dilling, ein Unternehmensberater und Hilmar Kess, ein Vertreter für Badezubehör, wollen für das Weihnachtsfest von Wien nach Berlin; zu den Familien. Das ungleiche Paar trifft bereits am Flughafenschalter aufeinander und es wird klar: Die Harmonie ähnlich schlecht wie jene zwischen Adam Sandler und intelligentem Humor. Wegen eines Schneesturms wird der Flug in die Slowakei umgeleitet. Frustriert nimmt man den Zug, landet in der tschechischen Pampa, steigt mit Drogendealern und Zuhältern ins Auto und Sprengt Skihütten in die Luft: Nur um endlich nach Hause zu kommen.

Allein die Idee, ein Quasi-Remake von „Ein Ticket für Zwei“ drehen zu wollen grenzt an Blasphemie. Und das sage ich, der alte Atheist! Es handelt sich um eine der besten Komödien der Filmgeschichte. Und jetzt ein Remake? Auch noch als deutscher Fernsehfilm? Das kann nicht gutgehen. Doch die Damen und Herren Produzenten haben sich der Sache gut angenommen. Mit Tommy Jaud (Vollidiot (Der Film, nicht der Mann)) beauftragte man einen guten Autor, der wurde mit Tobi Baumann (Der Wixxer) durch einen komödienaffinen Regisseur unterstützt und zur Krönung besorgte man die einzige Besetzung, die in die großen Fußstapfen ihrer Originale passen würde, ohne sich mit jedem Schritt den Knöchel zu verstauchen: Christoph Maria Herbst durfte den arroganten Steve Martin spielen und Bastian Pastewka wurde zur schlankeren, aber nicht minder liebenswerten John Candy Hommage. Wenn schon, denn schon. Die zwei großartigsten Komiker des deutschen Fernsehens, da kann nicht viel Schief gehen und tatsächlich: Die einzigen fünf Minuten innerhalb der ersten Stunde, in denen ich nicht gelacht habe, war der Werbeblock. Nein, Joghurt für die Verdauung bringt mich ohne lustige Furzgeräusche nicht zum schmunzeln.

Die Anspielungen an das Original sind zahlreich, aber wirken nie aufdringlich und wer glaubt die Story im Voraus zu kennen, der irrt sich auch. Auch wenn die Reihenfolge der Fortbewegungsmittel gleich bleibt (Planes, Trains and Automobiles (so der Originaltitel)), dazwischen gibt es genug Neues und viele großartige Lacher. Ob man statt zwei 90-Minüter vielleicht auch einen kompakten 100-Minüter hätte drehen können, ist eine andere Frage, über die man definitiv nachdenken könnte. Ich wüsste direkt welche Szenen man hätte ohne Probleme komplett weglassen können. So hätte man unter anderem das kitschige Ende locker halbieren können. Doch nun verkommen die letzten Minuten leider zu einem Ausschnitt aus einer Tschibo-Werbung. Dass man bei der Musik die Klassiker von der letzten Betriebsfeier ausgewählt hat hilft dort auf keinen Fall, aber ein wenig Deutsch muss der Film ja schon bleiben. Dazu gehört auch die Musik, die jeder Zuschauer zwingend so oft gehört haben muss, dass er den Text mitkotzen kann.

Die IMDB sagt 6.7, ich runde kräftig auf. Der Film wäre sicherlich nicht halb so witzig ohne Herbst und Pastewka, auch hätte er wesentlich kürzer sein können, doch ich habe mich auch so unterhalten gefühlt.

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