Mai 2011 06

(Anmerkung vom September 2011: Die hier gezeigten Bilder von Anna unterscheiden sich stark von der finalen Farbkorrektur, da ich später noch bessere Methoden fand und die Bilder dadurch klarer und leuchtender wurden)
Seit dem 10. Februar haben wir nichts mehr gedreht, was aber nicht heißt, dass das Projekt still stand. Wegen meinem Praktikum bin ich am 12.Februar nach Potsdam gezogen und verbringe da meine recht geringe Freizeit mit der Postpro. Was gedreht wurde ist fast komplett geschnitten und teilweise habe ich auch die ersten Szenen bereits mit Farbkorrekturen versehen. Diesem Bereich wird diesmal viel Aufmerksamkeit geschenkt. Nachdem wir bei Zwei Donuts und noch ein Todesfall das erste mal so etwas wie Farbkorrektur gemacht hatten, indem wir lediglich die Farben knalliger gemacht hatten, steckte ich bei Gefährliche Irrtümer einiges Mehr an Arbeit in die Farbgebung und Lichtstimmung des Films: Eine gezielte Farbgebung, bei der ich mit zunehmender Filmlänge immer mehr Sättigung und damit Farbe aus dem Bild nahm. Andreas Haupts Leben war bunt und glücklich, doch wurde in dem Film zerstört. Am Ende wird sein Leben beherrscht von Hass und Zorn. Dieses schwarz-weiß-denken wird im Finale vollkommen sichtbar. Eine so klare Farbstruktur gibt es bei Zwei Donuts schlagen zurück nicht. Da es keine so extremen Gefühlswandlungen bei den Charakteren gibt, wäre eine solche Vorgehensweise auch nicht sinnvoll. Dennoch sind die Farbkorrekturen bei diesem Film aufwändiger als je zuvor. Um das Bild filmischer zu machen habe ich teilweise bis zu 5 Ebenen übereinander gelegt. Der Aufwand wird in folgenden Bildern sehr gut sichtbar:
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Die Grundbilder sind langweilig und blass. Das ursprüngliche 16:9 Seitenverhältnis wurde bereits zu 2,35:1 verändert. Ich hatte mich für dieses Format entschieden, da es filmtypischer ist und ich zudem noch einige Möglichkeiten zur nachträglichen Korrektur des Bildausschnittes bietet: Ich schneide gern die Köpfe der Protagonisten an, was beim direkten Dreh jedoch darin enden kann, dass die Person bei Bewegungen plötzlich aus dem Bild verschwindet. Das kann man mit diesem Vorgehen natürlich vermeiden. Jetzt aber zur Farbkorrektur: Als erstes wird eine Art Aufheller über das Grundbild gelegt. In diesem Aufheller sind die Farben umgekehrt was zur Folge hat, dass dunkle Stellen aufgehellt werden, ohne das bereits helle Bereiche noch heller werden. Wie in diesem Bild zu sehen verwende ich das hauptsächlich für Gesichter.

Die nächste Ebene (siehe Bild 4) hellt das komplette Bild auf, wobei ich das nur in wenigen Szenen benutzt habe. Über diese Ebene kommt dann die eigentliche Farbkorrektur. Dort erstelle ich dann den Szenen-spezifischen Farbstich. Hauptsächlich wird in der Farbkorrektur der Kontrast stark erhöht. Dadurch wird das schwarz kräftiger und das Bild filmischer. Als fünftes kommt dann eine kaum sichtbare Ebene mit Weichzeichnern und extremer Überbelichtung hinzu, auch diese dient dem Filmlook.

Zu guter Letzt wird noch etwas an der beschissenen Schärfentiefe meiner Kamera geschraubt. Der Kopf wird ausgeschnitten und der Hintergrund unscharf gemacht. Das ist der aufwändigste Part der ganzen Sache, weil die Maske natürlich pro Sekunde mehrfach angepasst werden muss, damit sich die Person nicht plötzlich in die Unschärfe hinein bewegt. Künstliche Tiefenunschärfe ist sicherlich nicht das non-plus-ultra der Nachbearbeitung, aber es lässt das Bild einfach noch besser aussehen, wenn man den Fokus exakter setzen kann. Ich habe auch das nur in wenigen Szenen gemacht, da es einerseits zu viel Aufwand wäre und andererseits auch nicht immer nötig beziehungsweise möglich ist.

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